PHILIP STOLL, *1988, Dachau. Lebt und arbeitet in Witten/Bochum

 

„Aufmerksamkeit ist in meiner künstlerischen Arbeit das zentrale schaffende Medium. Was passiert in einem Moment reiner Aufmerksamkeit? Wie können wir unsere Sensibilität für die Welt so erhöhen, dass sie sich selbst offenbart? Wie können unsere menschlichen Aktivitäten von einer Liebe für das Unsichtbare getragen sein? In allem dem wir begegnen, ist ein ihm innewohnendes Leben. Es zeigt sich, spricht zu uns, in Orten, Menschen, Ländern, politischen Entscheidungen, wirtschaftlichen Geschehnissen und kulturellen Entwicklungen. Überall, wo wir mit dem Herzen aktiv sind, kann die Welt in frei gerichteter Aufmerksamkeit ihr eigenes Potential entfalten. So wird aus Sterben Leben, aus Umweltkatastrophe Um-und Mitweltentwicklung, aus Krieg Zusammenarbeit, aus Aussichtslosigkeit Vision, aus Klimawandel ökologisches und geopolitisch-soziales Potential. Wenn die Welt zu mir spricht, spreche ich zu ihr in meiner Aufmerksamkeit zurück. Dieses Gespräch ist meine Suche.“ (Phlip Stoll)

> at work

 

 

 

ABOUT

 

Philip Stoll ist bildender Künstler. Er arbeitet mit den Themen Aufmerksamkeit und Zeugenschaft. In den letzten 15 Jahren erforscht er mit seiner meditativen Gehpraxis die Qualitäten von Orten in Europa, Russland, Nordamerika und Ostafrika. Seine Arbeit abstrahiert die visuelle Realität, löst sie auf und macht das Sichtbare unsichtbar, um das Unsichtbare sichtbar zu machen. Mit seinen langen fotographischen Belichtungen lässt er ortsspezifisches Licht auf fotographischem Film Spuren formulieren, um so die Qualitäten von Orten zu erforschen. Seine fotographischen Arbeiten wurden international in Galerien und Sammlungen wie dem Kulturhaus Järna, der Kunststation Sankt Peter, der Galerie ArtLantis, der Fröhlich Collection etc. ausgestellt. Die Zusammenarbeit mit Akteuren aus anderen Gesellschaftsbereichen zur Erkundung der Aufmerksamkeit führt ihn zu Projekten wie der Friedenskonferenz „Overcoming Violence“, 25 Jahre nach dem Genozid in Ruanda. Währen der Arbeit in Ländern wie Ruanda setzt er seine künstlerische Technik ein, um Vergangenheit und Zukunft eines Ortes zu erfassen und künstlerisch zu verarbeiten: so etwa auch um die Massengräber in Murambi zu bezeugen. Andere Projekte, wie das Projekt „Waldpark Oase“ beinhalten die Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim, um die Potentiale eines öffentlichen Parks mit künstlerischen Mitteln frei zu legen und in Kooperation mit Bürgern, lokalen Landschaftsplanern und Ökologen zu fördern. In Bochum gründete er in Zusammenarbeit mit der fakt21 Kulturgemeinschaft und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW das Netzwerk „Ökologie des Bewusstseins“ zur Erweiterung des Ökologiebegriffs und zur Initiierung sozial-ökologischer Regenerierungsprojekte in Deutschland.

 

 

REFERENZEN

 

Philip Stoll (b.1988, Germany) works with the processes of perception and awareness. His artistic career started with in depth studies of land art, that of Richard Long and Andy Goldsworthy in particular. Many of these artists’ process pieces are not accessible for the audience except through documentation – usually photographic. Similarly, while Stoll does not describe himself as a photographer, his work is most of the time only documented visually by photographs. His visual language is related to the history of painting and yet his work is more conceptual and process-oriented than the first glance would suggest. While viewing Stoll´s work, artists like Turner, Aivazovsky, the Impressionists, Rothko and Richter, with his photorealistic ”blur” paintings, come to mind. Where Richter makes a conscious, multilayered statement about aesthetics with his early work, for Stoll, the same blur effect in parts of his work, is the natural result of his method. The outer appearance of Stoll´s images are not the result of an intentionally created visual effect but of inner and outer processes: it is what is seen from the very moment of awareness, when the artist is at one with his object through his perception. Stoll´s inner awareness in relation to his outer surroundings aligns and in this activity he exposes film without looking through the lens while shooting the image. Al- most as a piece of performance art (without a live audience) he walks and holds the camera just below his heart while shooting. (…) Experiencing Stoll´s work in depth changes the way we perceive the surrounding world.

Sampsa Pirtola

 

Licht ist gegeben, es lebt im Raum: Tageslicht, das sich, durch die Fenster fallend, im Inneren widerspiegelt. Ein Künstler sucht, dieses Raum-Licht zu erfassen, mit fotografischen Mitteln und mit einer selbst-gesetzten, auf Erfahrung aufbauenden Struktur und Technik: Der analoge Fotoapparat wird bei Blende 11 und vier Sekunden Belichtungszeit während des Gehens vom Künstler vor dem Bauch, in seinem Körperzentrum, gehalten. Licht fällt auf den leeren Film. (…) Am Ende wird der Betrachter auf sich selbst und seine eigenen Wahrnehmungs-Möglichkeiten zurückgeworfen. Analoge Fotografie beschreibt zwar die Wirklichkeit vor dem Objektiv – aber es ist doch immer eine eigene Welt, die in Stolls Arbeiten sichtbar wird und an die sich der Künstler mit seiner Wahrnehmung genauso öffnend herangearbeitet hat wie es nunmehr der einzelne Betrachter, sich ebenfalls öffnend, gegenüber den fotografischen Bildwerken machen muss.

Dr. Wulf Herzogenrath

 

Stolls Bilder sind in ihrer Abstraktion eine Form der Dekonstruktion äußerer Wahrnehmung. Hier bewegt sich der Künstler im großen Strom der Gegenwartskunst – von Piet Mondrian („Um eine Harmonie zu erzielen, sollte die Kunst sich nicht nach der äußeren Erscheinung der Natur, sondern nach deren Wesen richten“ 1941/42) bis hin zu den Lichträumen seines Mentors James Turrell. Die photographischen Gemälde eröffnen einen lichten Innenraum und führen zu einer Erkenntnisform, die in der Auflösung des Gegenständlichen Neues aufscheinen lässt. Das Leuchten des Lichtes selbst wird auf sinnliche Weise in einem „Anders-Raum“ erfahrbar („Espace autre“; Michel Foucault). (…) Seine Belichtungen machen das Sichtbare unsichtbar, damit die unsichtbare Wirklichkeit sichtbar, fühlbar wird.

Dr. Stephan Kessler SJ

 

Der aus Mannheim stammende (Künstler) bezeichnet sich selbst als künstlerischen und sozialen Entrepreneur. Nach einem mehr- jährigen selbst organisierten und entwickelten Studium und einem photographischen Mentorat von Ernst Kubitza wurde er in seiner weiteren Entwicklung wesentlich von James Turell, Eje Kaufeldt und Nicanor Perlas beeinflusst. Bei zum Teil mehrmonatigen Aufenthalten in Schweden, der USA und der Schweiz entstanden umfangreiche Bildserien. Gegenstand des Künstlers ist der jeweilige Ort, den er prozesshaft und gewöhnlich über einen längeren Zeitraum in den Blick nimmt. (…) Auf diese Weise entstehen Fotografien großer Intensität und Aussagekraft, abstrakte Lichtbilder, welche die »Seele« des Orts widerspiegeln. Philip Stolls Kunst nimmt das Faktische in den Blick, sie weitet aber auch unsere Sinne für das Potentielle.

Dr. Guido Schlimbach

 

Philip Stoll ist kein Photograph. Kein Musiker. Kein Performance- oder Sozialkünstler. Seine Kunst, die sich der Photographie, der Musik, performativer, happeningartiger
Aktionen, des Gesprächs und der Begegnung bedient, findet im Kern in einem feineren Medium statt: der menschlichen Aufmerksamkeit. Seine Arbeit entwickelt er sowohl in der bloßen Begegnung mit der Natur, als auch im Gespräch mit Menschen, durch Begegnungsarbeit in Ruanda, bei internationalen Konferenzen zum Thema Global Social Witnessing und kultur-ökologischen Projekten wie etwa in Mannheim und Witten. So zeichnet sich eine innere Verbindung so verschiedener Praktiken ab, in die sich der Künstler hineingibt: Da sein, ohne Termin und Aufgabe. Schweigen im Gespräch. Musik für den leeren Raum spielen. Bewusstsein zeichnen. Putzen ohne Dreck und ohne Lohn – um das Wesentliche freizulegen. Gehen ohne Ziel. Photographieren ohne Sucher, ohne Klick.

Jannis Keuerleber

 

 

EXHIBITIONS

 

Fakt des Sinns (solo), Haus Oskar, Bochum (2020/21)

Art_EN (group), Witten (2020)

Sense (solo), Show Room Geibelstraße 2, Köln (2019)

CONSENSUS – LIGHT AND SPACE (solo), Kunststation Sankt Peter, Köln (2019)

ARBEITEN/WORKING (solo, Aktion), Kunststation Sankt Peter, Köln (2019)

GEHEN/WALKING (solo, Performance-Aktion), Kunststation Sankt Peter, Köln (2019)

Drawings (solo, Präsentation & Künstlergespräch), White Feather Ranch, Placeville, CA, USA (2017)

Drawings (solo, Präsentation & Künstlergespräch), Shade Tree Foundation, Los Angeles, CA, USA (2017)

Portals (solo), Show Room Geibelstraße 2, Köln (2017)

Drawing, Stage, Awareness (solo), Foundation Kulturimpuls, Dornach, Switzerland (2017)

December Blues (group, Joseph Beuys & Philip Stoll) Sammlung Fröhlich, Leinfelden-Echterdingen (2016)

Perceiving Life in the 21st Century (solo), Galerie ArtLantis, Stuttgart (2016)

When I Walk – Home (solo, Präsentation & Künstlergespräch), California Department of Fair Imployment and Housing, Los Angeles, USA (2015)

See You America (solo, Präsentation & Künstlergespräch), Elderberries Community Hub, Hollywood, CA, USA (2015)

With Seriousness (solo), Skillebyholm, Sweden (2014/15)

Invisible Visible (solo) Kulturzentrum Ytterjärna, Schweden (2014)

nu (solo), Kulturzentrum Ytterjärna, Schweden (2014)

100 Assese – 0r freeing the human being into ist body (solo, Performance), Goetheanum, Dornach, Schweiz (2010)

 

 

PUBLICATIONS

CONSENSUS – LIGHT AND SPACE, Hrsg. Kunststation Sakt Peter, mit Wulf Herzogenrath, Pater Stefan Kessler, Jannis Keuerleber, Guido Schlimbach und Valeska Stach (erscheint bald)

Zu einer Ökologie des Bewusstseins, Motive (2021)

Thementag Ökologie es Bewusstseins, Info3 Verlag, Valeska Stach (2021)

Philip Stoll stellt sich vor, Motive, Interview Alexander Schaumann (2021)

Konst en Kerk? Conflict of Coëxistentie?, Universität Göttingen, Lotte Drenth, Judith van den Heuvel, Peter Hansum (2021)

Habitate der Aufmerksamkeit – 3 Record Walks, Zeitzeug_Festival – Zeitschrift ZEITWORT (2021)

Murambi I See You Seeing Me Seing You, in Overcoming Violence, Hrsg. Prof. T. Jähnichen u. Dr. Pascal Bataringaya u.a., Ruhr Universität Bochum, Evangelisch-Theologische Fakultät, LIT Verlag (2021)

De Vide et de L’Accueil, Choisir – Reveu Culturelle, Stephan Kessler SJ (2019)

Waldpark Oase Mannheim, Mannheimer Morgen, Interview Thorsden Langscheid (2019)

Projekt Waldpark Oase, Info3 Verlag, Andrea Kreisel (2019)

Wie Kunst wirken kann, Evolve Magazin, Interview Maik Kauschke (2017)

Invisible Visible, Selbstverlag (2014)

Angefangen hab‘ ich mit Land Art, Selbstverlag (2005)

 

 

WORKSHOPS

Zukunftswerkstatt „Potentiale des Felke-Heil-Waldes entfalten“, Moderation und Konzeption, Verbandsgemeinde Nahe-Glan und Felkestadt Bad-Sobernheim, Bad Sobernheim (2022)

>Wege des Verlebendigens im Welthorizont. Regenerieren – Wir-Felder schaffen – inspirieren<, Workshop und Impulsvortrag, Erd-Charta und Erdfest-Initiative, Magdeburg (2022)

Regenerationstraining: Wahrnehmung, Wasser, Biodiversität, Moderation, Netzwerk Ökologie des Bewusstseins, fakt21 Kulturgemeinschaft Bochum, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz und Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, Bochum (2022)

Das Wasser weist den Weg, Moderation, fakt21 Kulturgemeinschaft und Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, Witten (2021)

Potentialsentfaltung und Aufmerksamkeit, Waldorf Institut Witten Annen, Witten (2021)

Ökologie des Bewusstseins Thementag/Konferenz, Konferenz-Moderation, fakt21 Kulturgemeinschaft Bochum, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz und Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, Bochum (2021)

Transformatives Lernen und Potentialsentfaltung im Gesundheitswesen, Co-Moderation, Studium Fundamentale, Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Witten/Herdecke, Witten (2021)

The Art of Global Social Witnessing, GSW-Conference, Ubigity Universität und Universität Witten/Herdecke, Witten  (2020)

Transformatives Lernen und Potentialsentfaltung im Gesundheitswesen, Co-Moderation, Studium Fundamentale, Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Witten/Herdecke, Witten (2020)

Natur Neu Sehen, Integr. Begleitstudium Anthrop. Medizin, Universität Witten/Herdecke, Witten (2020)

Versöhnung, Aufmerksamkeit und Kunst, Konferenz Overcoming Violence zum 25. Jahrestag des Genozids in Ruanda, Kivu, Ruanda (2019)

The Listeners Project, Showroom Geibelstrasse 2, Köln (2018)

Neues Sehen der Landschaft, in Cooperation mit der Akademie für angewandte Vegetationskunde, Witten (2018)

Wahrnehmung, Potentialsentfaltung und Transformation, Kongress Soziale Zukunft, Bochum (2016)

Lystna Nu/Listen Now, Kulturzentrum Ytterjärna (2014)

Künstlerisch Potentiale entfalten, Führungskräfte-Workshop für Top-und Mittelmanagement, Scania AB, Södertälje, Schweden (2014)

WeSea, Konferenz zur Zusammenarbeit baltischer Ostsee-Ökologieprojekte, Järna, Schweden (2012)

Terra Parzifal, Konferenz des Slovenischen Kulturbotschafters, Maribor, Slovenien (2012)

 

 

STIPENDIEN/ RESIDENZEN

Künstlergruppe Camilla Steuernagel, Residenz, Fulda (2022)

Künstlergruppe „Bühne Heute“, Residenz, Hégenheim, Frankreich (2021)

Künstlergruppe Camilla Steuernagel, Residenz, Moulin, Frankreich (2021)

Stiftung Kulturimpuls, Residenz, Basel, CH (2019)

Produktionskostenstipendium, Rubensgesellschaft, Köln (2019)

Grundeinkommen, privates Vollzeit-Stipendium, Zürich, CH (2015-18)

Produktionsstipendium, Vidar Foundation, Järna, Schweden (2012/13/14)

Shade Tree Foundation, Residenz, Los Angeles, USA (2017)

Shade Tree Foundation, Residenz, Los Angeles, USA (2015)

Produktionsstipendium, Economieringen AB, Skilleby, Schweden (2012-14)

 

 

STUDIES

Feldbotanik und angewandte Pflanzensoziologie, Akademie für Angewandte Vegetationskunde, Witten (2018-22, fortlaufend)

Metamorphose des Gegebenen, Studium und Studienreise über das Werk von Friedemann Schwarzkopf, Köln, Witten, Kalifornien, USA (2015-2020)

Art and Social Entrepreneurship, Vollzeit Individual-Studium, mit Lehrern und Mentoren: James Turrell (Visuelle Kunst, Wahrnehmung), Prof. Eje Kaufeldt (Flöte), Nicanor Perlas (Integrale Nachhaltigkeit, Cultural and Ecological Change Facilitation), Orland Bishop (Inner Science, Aufmerksamkeit) (2010-14)

Fotografie, Schüler von Ernst Kubitza (2014-16) und Eric Olsson (2012-2014)